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Geschichte - Teil 1 Wurzeln und Legenden

Die Region Galicia war im Spanien Francos eine sehr ärmliche Gegend, in der die Bevölkerung größtenteils von der Landwirtschaft lebte. Von kleinen industriellen Ansiedlungen an der Küste abgesehen, waren die Städte weitgehend von Handel und der Verwaltung geprägt.
Ourense war als Knotenpunkt traditioneller Handelswege Richtung Portugal von regionaler Bedeutung und zog auch die ärmere Bevölkerung an, die von der Landwirtschaft kaum überleben konnte. Aus der Region versuchten viele arbeitsfähige Männer in Amerika Arbeit zu finden, die es in der Heimat nicht gab. Zu leiden hatten in dieser Lebenssituation viele Kinder, die in ärmlichen Verhältnissen, ohne Bildung und oftmals auch ohne Bindung in den Straßen Ourenses aufwuchsen.
Jesús César Silva Mendez hieß ein junger Mann, der in der gutbürgelichen, konservativ-katholischen Gesellschaft Ourenses aufgewachsen und der auf dem Wege war, katholischer Priester zu werden.
Auf dem Weg von der Stadt zum Hügel von Pinor, auf dem er das Priesterseminar besuchte – und natürlich auch auf dem Rückweg traf dieser junge Mann immer wieder auf Kinder und Jugendliche, die in bestimmten Stadtteilen Ourenses in oben genannten Verhältnissen lebten. Nach ersten Kontaktaufnahmen traf unser junger Mann eine Gruppe Jugendlicher immer wieder und sie begannen, neben dem Spiel mit einem alten Stoffball sich über Zukunftspläne und Zukunftsträume zu unterhalten. Nach eigener Berichterstattung wurde hier die Grundlage für das spätere Benposta gelegt.
Die zunächst lockeren Gespräche wandelten sich in feste Treffen und aus der Gedankenspielerei entwickelte sich konkretere Vorstellungen zur Unterstützung der Jugendlichen und so wurde als erster Höhepunkt in der Geschichte am 15.09.1956 bei einem Treffen im Elternhaus der Silvas mit 15 Jugendlichen die „Ciudad de los muchachos“ gegründet.
Hierzu sagt Padre Silva selber, daß er bis zu diesem Zeitpunkt als Missionar nach Venezuela gehen wollte, aber ab diesem Moment seine neue Berufung hier vor Ort und in der Arbeit mit diesen „muchachos“ sah.
Ziel dieser Stadt („Ciudad“) war, einen Ort zu haben, der diesen Jugendlichen die Möglichkeit des Lernens, des Gelderwerbs und auch der Unterkunft bieten sollte. Durch die gute Verbindungen der Familie Silva hatte die Gruppe nach ersten Vollversammlungen in der Alameda (öffentlicher Platz in Ourense)-einem symbolischen Platz für diese ersten 15 Muchachos – verschiedene Räumlichkeiten. Alle diese Orten waren kurzzeitig benutzbar und zog die junge „Nación“ 1960 in das Elternhaus der Familie Silva in der Stadt Ourense.

Teil 2 - Eine Stadt entsteht>>

(Geschrieben von Hans Bohmann und José Posada, August 2009, aus „Benposta,50 Jahren – Nación de los Muchachos“ in der Reihe: „Denken und Handeln“ der Ev.Fachochschule RWL in Bochum; Band 52)