Sie sind hier: Kinderrepublik Benposta  / Geschichte / Die Biographie

Geschichte - Teil 5: Die Biographie

Ein Bericht über Benposta ist nicht komplett, ohne Angaben zum Gründer und seiner Familie. Ein Rückblick auf die Geschichte zeigt, daß die Entwicklung Benpostas ohne die Familie vermutlich so nicht möglich gewesen wäre. Sowohl
In den Gründungsjahren als auch in der späteren Zeit waren verschiedene Personen der Familie Silva für Benposta entscheidend. Neben der praktischen Mitarbeit, bzw der direkten oder indirekten Beeinflussung, waren die Vermögensverhältnisse der Familie anscheinend auch ein zentraler faktor. Über der Herkunft der Familie haben wir nichts untersucht. Der offensichtlich wichtigste Faktor in der Verwandtschaft war die  Familie der Mutter. Ihr Onkel war Manuel Feijóo, der Gründer der gleichnamigen spanischen Zirkusdynastie.

Jesús César Silva Mendez – Der Weg zum Cura

Mit „Cura“ (Pfarrer) wird Padre Silva von den Bewohnern Benpostas gewöhnlich angesprochen.

Jesús César Silva Mendez wurde am 25.01.1933 geboren. Er war das drittälteste Kind in der Familie. Er wuchs in Ourense auf und verlor seinen Vater im Alter von 13 Jahren. Die Mutter zog die Kinder allein auf und sollte für Jesús César eine wichtige Person im Leben bleiben. Die zweite andauernd wichtige Familienperson war sein Bruder José Manuel, der die Rolle des männlichen Familienoberhauptes übernahm.
Die Bürgerkriegs- und die Nachkriegszeit prägten seine ersten Kindheitsjahre. Ihm wurden große künstlerische Fähigkeiten als Maler zugeschrieben. Sein Berufswunsch zunächst war die Architektur. Im Laufe seiner Jugend gewannen soziale Aspekte des Lebens an Bedeutung. Hieraus resultierte das Theologiestudium, da er an der Jesuiten – Universität von Comillas begann und auch erfolgreich abschloß. Sein Berufsziel war nach eigenen Aussagen die Missionsarbeit in Südamerika.

Eine der „Legenden“, die sich bei den Berichterstattern wiederholen, ist der Einfluß des Films „Boys Town“ über das Werk Pater Flanagans. Dieser Film soll bei ihm die Grundlage für das spätere Benposta gelegt haben.

Die Familie

Der Vater : José Maria Silva Gil

Er wird als vielseitig, begabter Mann beschrieben, der als Violinspieler durch die Welt reiste. Nach Beschreibungen war er in Ourense auch Maurerpolier und eröffnet eine Versicherungsagentur. Er verstarb 1947 und hinterließ Frau und Kinder in finanziell gesicherter Existenz.


Die Mutter : Maria Méndez Feijoo

Die Mutter war vor ihrer Ehe bereits wohlhabend und besaß in Ourense neben dem Familienhaus auf der Calle der Progreso Nr55 mehrere Grundstücke. Sie ist 1894 geboren. Sie spielte in Benposta eine wichtige Rolle. Da sie alle Pläne ihres Sohnes ideell und materiell unterstützte. Das Familienhaus war zeitweilig Aufenthaltsort der „Muchachos“ und einzelne Werkstätten habe sich ebenfalls im Haus befunden. Sie war Grundschullehrerin und wird als sehr glaublich beschrieben. Ihre Bedeutung unterstreicht ein Bild von ihr im Parlament, unter dem sie Gesetze für die Bürger Benpostas hängen, die sie auch verfaßt haben soll. 1974 bekam sie für ihre karitativen Tätigkeiten einen entsprechenden Orden des spanischen Staates, das große Wohltätigkeitskreuz. Ihr werden auch wichtige Vermittlungstätigkeiten nach einem Streit Padre Silvas mit der spanischen Amtskirche zugeschrieben. Sie starb hoch geachtet im Oktober 1982.


Der ältere Bruder : José Manuel

Am ältesten Bruder Padre Silvas, den alle „Pocholo“ nennen, scheiden sich die Geister. Er ist drei Jahre älter als Jesús. Er trat in die Fußstapfen des Vaters, war juristisch vor gebildet und besaß eine Versicherungsagentur. Sehr früh regelte er die Arbeitsverhältnisse der spanischen Zirkusverwandtschaft, und diese Kenntnisse nutzte er später auch für Benposta. Er unterstützte seinen Bruder in allen finanziellen und juristischen Fragen. Teilweise übernahm er auch die Leitung im Trägerverein Benpostas. Er stand  nicht für die Idee, sondern für die Finanziellen und wirtschaftlichen Aspekte, die Padre Silva bestenfalls am Rande interessieren. “Pocholo“ hat oftmals Konflikte mit allen möglichen Mitarbeitern und auch mit ehemaligen Muchachos gehabt. Seine Kritiker beschreibe ihn  als selbstsüchtig und unterstellen ihm, daß er die Idee der Republik nicht ernst nehme.


Die ältere Schwester : Maria Clara


Sie war die zweitälteste in der Geschwisterreihe. Sie studierte u.a. in England Philosophie und lernte auf ihren Reisen Magnuns Jensen in Dänemark kennen, den sie heiratete und mit dem sie auch nach mehreren Jahren in verschiedenen Städten Europas nach Ourense zurückkehrte.  Sie war zunächst Direktorin der Schule Benpostas. Maria Clara zog sich später zurück und gründete eine eingene Sprachschule. Drei ihrer 6 Kinder gingen dennoch zur Schule Benpostas.



Die Jüngste Schwester : Marisol

Sie war als Grundschullehrerin ausgebildet, hatte aber zunächst nicht in ihrem Beruf gearbeitet. Die erste Stellung bekam sie durch ihren Bruder Jesús, der sie als Lehrerin einstellte. Nach Streitigkeiten zwischen  ihr und den Muchachos wurde sie von der Regierung mit Einverständnis des Curas entlassen. Auch sie war, genau wie Maria Clara, mit Benpostra nicht weiter verbunden.



José Manuels Familie : Alcira, Joaco, und Lisa

Alcira, Pocholos – Frau , löste Marisol als Lehrerin in Benposta vorübergehend ab.

Joaco wurde als möglicher Nachfolger Padre Silvas beschrieben. Neben verschiedenen Aufgaben im Alltag Benpostas ( z. B. Ansager im Zirkus) war er auch zeitweilig Bürgermeister. Von dieser Position schien er allerdings überfordert zu sein und zog sich immer wieder in sein Elternhaus in Ourense zurück. Ganz im Gegenteil zu seinem Vater ist er ein ruhiger, nachdenklicher Mann, der vom selbstsüchtigen verhalten seines Vaters nicht das geringste geerbt hat. Weiter wird über seinen Aufenthalt berichtet, daß die Muchachos ihn nicht als ihresgleichen akzeptierten, ihn als Herrensohn lediglich respektierten.

Lisa war nur kurzzeitig mit Benposta verbunden. Sie trat 1981 im Alter von 23 in die Zirkusschule ein und nahm als Trapez Artistin an der Tournee 1983 durch die Bundesrepublik teil.

Nachruf - Padre Jesús Silva>>

(Geschrieben von Hans Bohmann und José Posada, August 2009, aus „Benposta,50 Jahren – Nación de los Muchachos“ in der Reihe: „Denken und Handeln“ der Ev.Fachochschule RWL in Bochum; Band 52)